Als ich begann bzw. beginnen musste mich
meinem Thema der „ Sucht „ ernst- haft zu beschäftigen, stellte sich für mich
unter anderem die Frage:
Besuche ich eine Selbsthilfegruppe, ja oder
nein?
Welche wäre überhaupt die Richtige und wie
fange ich das an?
Ich setzte mich mit Mitbetroffenen, Freunden
und Be- kannten auseinander und bekam die verschiedensten Antworten.
Der Tenor jedoch war immer der gleiche:
„
Selbsthilfegruppen seien wichtig „.
Aber ich dachte mir, was wissen die denn
schon?
Viele Abwehrmechanismen setzen bei mir ein
wie zum Beispiel:
> Die reden da doch nur
die ganze Zeit über Suchtprobleme.
> Die sind sowie so
alle bescheuert, jedes Mal dasselbe.
> Das kann ich mir auf
die Dauer nicht reinziehen.
> Das schaffe ich ganz
bestimmt auch ohne die und das war mein beliebtestes Argument.
> Was wollen die
eigentlich von mir und außerdem hatte ich ganz ehrlich auch ein bisschen Angst.
Ich könnte diese Aufzählung noch weiter
fortführen, mit Gedanken die ich hatte, keine Selbsthilfegruppe aufzusuchen.
Trotz allem machte ich mich freiwillig
gezwungener Weise auf die Suche nach einer Gruppe.
Siehe da ich hatte Recht.
Meine Angst hatte ich zwar überwunden, aber:
> Die redeten wirklich
über Sucht.
> Einige waren auch
ziemlich bescheuert.
> Ich dachte mir, was
die alles erzählen, so schlimm ist es bei mir ja wirklich nicht.
Doch etwas machte mich ziemlich unsicher und
das war:
Die führten alle ein abstinentes Leben und
waren auch noch zufrieden dabei.
Warum?
Könnte tatsächlich die Auseinandersetzung mit
dem Thema Sucht und der Be- such einer Selbsthilfegruppe doch so hilfreich sein,
für ein neues, trockenes Leben?
Heute bin ich mir sicher, es ist nicht nur
hilfreich, sondern für mich unbedingt notwendig.
Aber wie fand ich nun die richtige Gruppe für
mich?
Zuerst
dachte ich mir:
> Versuch es einfach
mal.
> Versuch es noch
einmal und
> dann noch einmal und
noch einmal.
> Jetzt wurde mir klar,
hier gehe ich regelmäßig hin, das tut mir gut.
Mir wurde auch klar, ich bekomme nirgendwo
eine 100 %ige Selbsthilfegruppe.
Ich
lernte:
> Ich muss nicht alles
an der Gruppe toll finden.
> Ich muss nicht jeden
nett finden.
Es ist doch im
wirklichen Leben auch nicht so.
Ich
erkannte:
für mich, dass es
wichtig ist, über meine Sorgen und Ängste, meine Wut und Aggressionen, meine
Freude, aber auch über Trauer zu reden, erst ganz vorsichtig und dann wie eine
sprudelnde Quelle.
Und ich suchte immer noch.
Plötzlich erkannte ich, es müssen keine 100%
sein.
Ich traf in der Gruppe auch den einen oder
anderen bei dem ich wohl fühlte.
Sie hörten mir zu. Viele aber vielleicht
nicht alle.
Ich bekam Rückmeldungen von einigen, aber
nicht von allen.
Ich konnte aus den Erzählungen von anderen,
nicht von jedem, für mich Stücke herausziehen.
Ich konnte einfach nur da sein und für mich
neue Gedanken fassen. Ich konnte auch offen über mich reden, weil
ich merkte: Wir haben alle das gleiche Problem. Keiner war schön, keiner war hässlich,
keiner war arm, keiner war reich,
keiner war dumm, keiner war schlau,
nein wir waren alle einfach nur krank,
einfach nur suchtkrank.
Wir hatten alle nur ein Ziel abstinent zu
leben und uns gegenseitig dabei zu helfen.
Auf einmal brauchte ich keine tollen Menschen
mehr um mich herum.
Sie mussten nicht alle nett sein.
Sie mussten kein ganz großes Vorbild sein,
nur ein klein wenig vielleicht.
Sie mussten einfach nur da sein.
Ich fühle mich wohl.
Ich fühle mich fast als normaler Mensch mit
Schwächen und Stärken, aber ich war und bin suchtkrank.
Darum besuche ich meine Gruppe, die mich
respektiert, mich wahrnimmt und mir schmeichelt
und
mir saures gibt, mir niemals nach dem Munde
redet und dasselbe von mir erwartet.
Dadurch werde ich gestärkt und auch oft
bestärkt in meinem Handeln und Denken,
welches ich wiederum
der Gruppe zukommen lasse, indem ich sie
regelmäßig und pünktlich besuche!
Deshalb halten mich kein Euro-Pokal, kein
Fußballspiel, kein Kegeln und keine Grillparty davon ab.
Ich plane meine Woche so, dass ich am
Gruppenabend teilnehmen kann.
Denn in der Gruppe erhalte ich Schutz, Kraft
und Stehvermögen für die nächsten 7 Tage!
Aus
diesen Gründen besuche ich eine Selbsthilfegruppe und zwar immer noch!